Neun neue Heidelberger Gedichte
Mein Aufenthalt in meinem geliebten Heidelberg 2024/25 war sehr enttäuschend. Dennoch habe ich neben anderem dort einige neue Gedichte, darunter mein wohl bislang bestes Regengedicht geschrieben, die ich hier erstveröffentliche.
Der schnee glänzt wie andacht und erinnerung.
*
ES war einmal
eine stadt, da
machten die bewohner eines tages
einen besuch in Hollywood.
Sie kehrten zurück
oder glaubten dies
zumindest,
in wahrheit aber
ist die stadt verlassen,
und die häuser warten
auf die rückkehr ihrer
rechtmässigen bewohner.
*
DAS gedicht,
das ich
für mich
behalte,
wort-regen, der
wiedereingeht
in die atmosphäre,
spurlos.
*
UND mächtig kam das leben wieder ins spiel.
Da waren überbleibsel,
reste trister verästelungen
reichten noch kahl in diesen frühlingsmorgen,
und über ihnen dieser rosenwangige zukunftsatem,
das zittern in der luft und das wehen über den dächern
einer stadt, die treu auf uns gewartet hatte.
*
WORTE im licht
eines niedergehaltenen frühlings
glänzen matt als versprechen
auf ein besseres morgen.
Da bist du erwacht
nach jahren der dämmerung,
jahren des zwielichts,
und dieses licht
ist neu und anders,
es birgt nicht
das sorgsam gehütete geheimnis,
es ist fordernd hell,
umkleidet die worte
ohne sie zu verhüllen,
schickt sie auf einen langen heimweg,
und das wird vielleicht das morgen sein,
an dem sie sich sammeln
nach deiner massgabe
und deinem licht.
*
DER REGEN ist eine antwort
auf eine allzudeutliche
unbekannte frage, er setzt ein
vor aller selbstverständlichkeit,
und seine antwort
vergeht nie, sie dauert fort
in aller unmerklichkeit,
spur einer schrift
im unablässigen prasseln,
im wasserhall.
*
EIN akkord
trägt dich zurück,
überantwortet dich
einem moment, der
gewesen neu erstrahlt.
*
DAS VERSPRECHEN auf das wochenende,
grösser als das wochenende selbst;
es überzog samstag und sonntag
mit zeitschlieren der erwartung
schon von freitag an - der eigentlich
samstag war, und sonntag
kam stets zu früh und irritierte
als zeitbetrug und montagsdräuer
wenn die woche einsetzt grau,
und grau die schulklingel schellt
als weckerfortsatz im routinentakt
den alltagsnebelwucher teilt.
*
DIE abrupten bewegungen
ihres körpers verbunden
mit dem kreisen ihres intellekts -
so sehe ich sie, eine stimme
distanzierter als deine,
ein äussern unter vorbehalt
vor unsichtbaren hürden
die ich gern wegräumte
wo weiblichkeit verharrt
sich selbst verleugnend, suchend
nach dem huf zum sprung
ins einige zuzweit.
*
DAS GESCHENK weniger
minuten weges mit dir
nährte meine stunden alltagsfern,
nachricht aus einem anderen
leben an der schwelle
zur erfüllung, gegenwart
eines bundes und des abenteuers,
das wir waren, flüchtig doch vereint.
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